Was passiert bei Stress eigentlich in unserem Körper?

In diesem Newsletter erfährst du:
Welche zwei Systeme in deinem Körper bei Stress aktiviert werden
Warum es wichtig ist, dass du das wirklich verstehst
Welche 3 Stresskompetenzen du erlernen solltest, um dein Herz jetzt effektiv zu schützen

Was passiert bei Stress eigentlich in unserem Körper?
Hallo Melanie,
ist dir schon mal aufgefallen, dass bei fast jeder Krankheit Stress als möglicher Auslöser oder Verstärker auftaucht? Egal, ob Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Hautprobleme oder chronischer Durchfall, bestimmt hast du schon gehört: „Das kann auch vom Stress kommen."
Und ja, auch bei ernsteren Erkrankungen wie Arteriosklerose oder Herzinfarkt spielt Stress eine entscheidende Rolle. Aber hast du dich jemals gefragt, warum Stress so viel in deinem Körper durcheinanderbringen kann?
Was ist Stress eigentlich und warum beeinflusst er unserenKörper so stark?
Für viele ist das Wort „Stress“ eher abstrakt. Deshalb schauen wir uns heute genauer an, was im Körper bei Stress wirklich passiert. Denn wenn du verstehst, was in dir vorgeht, kannst du auch bewusster damit umgehen. Also legen wir los:
Stress beginnt im Kopf, nämlich dann, wenn wir eine Situation als bedrohlich, belastend oder überfordernd wahrnehmen. Das kann durch äußere Reize (z. B. Lärm, Konflikte, Zeitdruck) oder durch innere Gedanken (z. B. Sorgen, Erinnerungen) passieren. Im Gehirn reagiert darauf besonders die sog. Amygdala, unser "Gefahrenradar". Sie schlägt Alarm und sendet Signale an den Hypothalamus, die zentrale Schaltstelle für viele Körperfunktionen.
Der Hypothalamus aktiviert dann zwei wichtige Stresssysteme:
Die schnelle Reaktion – über das Nervensystem:
Unser Sympathikus-Nerv wird sofort aktiviert. Er veranlasst die Nebennieren, die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin auszuschütten. Diese sorgen dafür, dass der Körper sofort auf "Flucht oder Kampf" vorbereitet ist:
Unser Herzschlag beschleunigt sich
Atmung und Blutdruck steigen
Zucker und Fette werden in die Blutbahn freigesetzt
Unsere Verdauung wird gebremst
All das liefert dem Körper in Sekunden die nötige Energie und Aufmerksamkeit für die akute Gefahrensituation, was zur Steinzeit noch sehr sinnvoll war, um vor dem Säbelzahntiger und Co. davonzulaufen!
Die langsame Reaktion – über Hormone (HPA-Achse):
Nach ein paar Minuten startet der Körper eine zweite, langsamere Reaktion: Das Gehirn schickt ein Botenhormon namens CRH los, das eine kleine Drüse im Gehirn, die Hypophyse, aktiviert. Diese schickt dann ACTH in den Körper, das die Nebennieren dazu bringt, Cortisol auszuschütten – das wichtigste Stresshormon bei längerer Belastung.
Cortisol wirkt langsamer, aber anhaltend und hilft dem Körper, mit anhaltendem Stress umzugehen. Es hat dabei ganz bestimmte Aufgaben:
Es erhöht den Blutzucker, damit das Gehirn und die Muskeln genug Energie bekommen
Und es dämpft das Immunsystem, weil Entzündungen und Abwehrreaktionen Energie kosten, die der Körper jetzt lieber für das Überleben nutzt
Außerdem beeinflusst es Stimmung, Schlaf und Konzentration, damit man wachsam, aufmerksam und reaktionsbereit bleibt
Diese Wirkungen sind in kurzen Stressphasen sinnvoll und überlebenswichtig. Sie sorgen dafür, dass der Körper alle Energie auf das Wesentliche fokussiert.
Doch: Wenn der Stress nicht aufhört, etwa bei Dauerbelastung, Ängsten oder innerem Druck, bleibt der Cortisolspiegel ständig erhöht. Dann werden diese an sich sinnvollen Maßnahmen zum Problem: Schlafstörungen, geschwächtes Immunsystem, hoher Blutdruck, Vergesslichkeit, Erschöpfung oder eine gesteigerte entzündlichen Aktivität in unserem Körper, die die Arteriosklerose an unseren Blutgefäßen beschleunigt, können die Folge sein.

Was kannst du tun?
Nach einem der großen deutschen „Stresspäpste“, nämlich Herrn Kaluza (dessen Buch „Gelassen und sicher im Stress“ ich dir sehr ans Herz lege), gibt es drei große Fronten, an denen du ansetzen kannst – die drei Säulen des Stressmanagements.
1. Die instrumentelle Stresskompetenz.
Das heißt: Versuche, die Dinge, die dich im beruflichen oder privaten Bereich belasten, soweit wie möglich zu verringern oder ganz abzubauen. Das lässt sich je nach Stressor auf verschiedene Weisen erreichen. Manchmal hilft ein klärendes Gespräch mit deinem Arbeitgeber oder mit Kolleg*innen, um Belastungen aus dem Weg zu räumen. In anderen Fällen kommt es zum Beispiel darauf an, deine Selbstorganisation ein wenig zu verändern. Das Gute: Wenn du die Faktoren angehst, die bei dir Stress auslösen, kannst du die Entstehung von neuem oder weiterem Stress von vornherein verhindern.
2. Die mentale Stresskompetenz
Dabei geht es darum, deine eigenen Denkmuster kritisch zu hinterfragen. Mache dir bewusst, wie du dir mit eingefahrenen Gedanken vielleicht selbst Stress machst. Überleg mal, wie sich das durch neue Gedankenpfade ändern lässt. Die gleiche Situation kann von einer Person als Herausforderung, von einer anderen aber als Katastrophe gesehen werden. Das zeigt: Schon eine andere innere Einstellung kann so manchen Stress vermeiden. Versuch doch einfach mal, deine nächste Präsentation vor deinen Kolleg*innen als Chance zu sehen, endlich deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen – anstatt dir eine wenig wahrscheinliche Blamage in allen Farben auszumalen.
Und als Drittes gibt es noch die regenerative Stresskompetenz:
Das ist die Fähigkeit, dich von Stress zu erholen und für Ausgleich zu sorgen. Zum Beispiel, indem Du dich regelmäßig mit Freund*innen triffst, einem Hobby oder Sport nachgehst, mal wieder richtig ausschläfst oder einfach auch mal gar nichts tust.
Klar – Stressmanagement mit den drei Stresskompetenzen braucht Zeit und muss, wie alles andere im Leben, trainiert und eingeübt werden. Aber ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen: Das lohnt sich richtig! Dein Herz und dein Lebensglück insgesamt wird es dir danken. 😉

Das war's mal wieder von uns.
bleib´ schön gesund,
Deine Melanie, Stefan und das gesamte Team Dr. Heart

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„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion.“
– Viktor E. Frankl

