Lipoprotein(a)
Kennst Du Dein Lipoprotein(a)? - Das solltest Du!
In diesem Newsletter lernst Du:
Was das Lipoprotein(a) ist
warum es (über)lebenswichtig sein kann seinen Lp(a)-Wert zu kennen
was Du tun kannst wenn Dein Wert erhöht ist

Bestimmt ist Dir mittlerweile bewusst, dass das LDL-Cholesterin, einen ganz wichtigen Risikofaktor Herz-Kreislauf-Ereignisse darstellt. Auch wenn kaum etwas so lebhaft in den Medien diskutiert wird wie der Sinn einer medikamentösen LDL-Cholesterinsenkung (arte-Dokumentation “Cholesterinlüge” etc.) gibt es kaum einen besser gesicherten medizinischen Zusammenhang wie den einer Absenkung des LDL-Cholesterinspiegels und der damit verbundenen Risikoreduktion für Herzinfarkt und Co.
Lp(a) - der kleine freche Bruder vom LDL-Cholesterin
Aber: Kennst Du auch das Lipoprotein(a)?
Das solltest Du, denn dieses auch als “kleiner frecher Bruder des LDL-Cholesterins” bezeichnete Blutfett, beschleunigt unsere “Arterienverkalkung”, unsere Arteriosklerose besonders intensiv!
Bei vielen meiner Patient*innen bzw. meiner Herz-Coaching-Kund*innen mit einer frühzeitigen oder besonders aggressiv fortschreitenden Arteriosklerose, die auf den ersten Blick keine hervorstechenden Risikofaktoren aufweisen, findet sich ein erhöhtes Lipoprotein(a) als der entscheidende Risikofaktor.
Was genau ist nun dieses Lipoprotein(a)?

Das Lipoprotein(a), abgekürzt Lp(a), entspricht in seinem Aufbau im wesentlichen dem LDL-Cholesterin, besitzt aber zusätzlich das sog. Apolipoprotein(a). Das ist ein Eiweißmolekül, das große Ähnlichkeit zum sog. Plasminogen hat, einem Eiweiß welches in unserer Blutgerinnung eine große Rolle spielt.
Plasminogen kann nämlich in seiner aktiven Form als Plasmin Blutgerinnsel auflösen und wirkt damit einem Infarktereignis, welches ja in aller Regel durch eine akute Blutgerinnselbildung an einer aufgerissenen arteriosklerotischen Ablagerung (sog. Plaque) bedingt ist, entgegen.
Und jetzt kommt das Problem:
Aufgrund seiner Ähnlichkeit zu Plasminogen kann das Apolipoprotein (a) an dessen Rezeptoren binden, diese blockieren und damit die Blutgerinnsel-auflösende Wirkung aufheben.
Unterm Strich bereitet uns das Lipoprotein(a) damit also gleich 2-fach Probleme:
Über die Apo(a)-Komponente fördert es dieBlutgerinnselbildungund damit Komplikationen wie Herzinfarkt und Co. zusätzlich zu seiner
arteriosklerosefördernden LDL-Cholesterin-Wirkung
Ungefähr jeder 5. von uns hat erhöhte Lp(a)-Spiegel. Das ist wahrscheinlich ein “Erbe” aus unserer menschlichen Evolution, denn mit seiner Blutgerinnung aktivierenden Funktion war es in früheren Zeiten, als wir noch häufiger vom Säbelzahntiger angegriffen wurden, sicherlich ein Überlebensvorteil nicht bei der ersten Fleischwunde gleich zu verbluten.
Heute, in Zeiten, in denen die Gefahr eines Raubtierangriffs stark rückläufig ist, wir aber hingegen immer mehr durch Herzinfarkt, Schlaganfall und co. gefährdet sind, ist eine überaktivierte Blutgerinnung leider ein Nachteil für uns.
Warum erzähle ich Dir das alles?
Die Zeiten ändern sich aktuell gerade exponentiell schnell. Lange Zeit haben auch wir Ärzte das Lipoprotein(a) eher vernachlässigt, v.a. weil wir kaum etwas dagegen tun konnten. Ernährung oder körperliche Aktivität beeinflussen den Lp(a)-Spiegel so gut wie nicht und es gab es auch keine Möglichkeit diesen Risikofaktor, z.B. durch einen Wirkstoff direkt zu beeinflussen.
Das ändert sich aber gerade!
RNA-basierte Behandlungsverfahren haben nicht nur in Rekordzeit Coronaimpfungen ermöglicht sondern sie sind gerade dabei die Medizin in vielen weiteren Bereichen zu revolutionieren!
Es sind nämlich hochwirksame Medikamente zur gezielten Reduktion von Lipoprotein(a) in Entwicklung, sog. Antisense-Oligonukleotide, die quasi nach dem Schlüssel-Schloss Prinzip an die Boten-RNA (mRNA) des Apolipoprotein(a) binden, so dass das Apolipoprotein(a) gar nicht erst gebildet werden kann.
In bereits fortgeschrittenen Studien konnte eine einmal wöchentliche Injektion den Lp(a)-Spiegel im Mittel um 80% senken!
Wenn alles gut geht werden wir diese Wirkstoffe in wenigen Jahren zur Verfügung haben und damit Menschen mit erhöhten Lp(a)-Werten erstmals wirklich direkt helfen können! Bis dahin ist allerdings noch viel zu tun, insbesondere auch was die Nachweisverfahren angeht, die bislang noch uneinheitlich und nicht ausreichend standardisiert sind. Es gibt darüber hinaus unterschiedlich schädliche Unterformen des Lipoprotein(a), die wir in Zukunft sicher unterscheiden können müssen, bevor wir einem Menschen eine lebenslange kostspielige Behandlung auf Kosten der Versichertengemeinschaft “verordnen”...

Also, hier nun meine take-home message für Dich: Wenn noch nicht geschehen, dann lasse jetzt Deinen Lp(a)-Spiegel bestimmen. Eine einmalige Bestimmung im Leben ist ausreichend, da sich der Wert durch Lebensstil-Faktoren kaum beeinflussen lässt. Sind Deine Werte erhöht bespreche das weitere Vorgehen mit Deinem Arzt bzw. in einer Fettstoffwechselambulanz und ganz wichtig: Lasse dann auch alle Deine Verwandten testen!
Also, hochspannend, was sich da in der Medizin gerade tut im Bereich dieser RNA-basierten Behandlungsverfahren, die ja seit der Coronaimpfung erst so richtig in das öffentliche Bewusstsein gerückt sind, von denen wir aber in Zukunft noch viel mehr “disruptive” Veränderungen in der Medizin erwarten können.
Hier noch der link zu einem sehr guten youtube-Kanal zum Thema https://www.youtube.com/channel/UCOmMFODYLmrdEVjgED_No4w
und einer Selbsthilfegruppe, bei der Du ebenfalls viele Tipps und Informationen erhältst https://lipidhilfe-lpa.de/
Bis dahin,
bleib schön gesund,
Dein Dr. Heart
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Dr. Stefan Waller
Kardiologe
Herz-Coach
eHealth
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